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Oomph! im Interview - Godt 03/98

Vor zwei Jahren, da wart ihr Insidern sehr gut bekannt, aber darüber hinaus relativ wenigen. Vor vier Wochen schlage ich die Bravo auf. Auf den Seiten 6 und 7 ist "Oomph". Hat sich die Welt verändert oder habt Ihr Euch verändert?

Flux: Bei uns hat sich eine Sache sehr drastisch verändert. Wir haben endlich eine ordentliche Plattenfirma. Wir sind jetzt bei Virgin-Records. Es ist endlich die Verbreitungsplattform, die wir vielleicht schon seit Jahren verdient hätten. Unsere alte Plattenfirma hat halt weder an unseren Erfolg geglaubt, noch finanziell die Möglichkeiten gehabt, das mehr zu puschen, oder auch nicht die Vertriebswege gehabt. Von daher haben wir natürlich auch die Möglichkeit, in die Charts zu kommen, auf einen Schlag mehr Platten abzusetzen. Das eröffnet dann natürlich auch Möglichkeiten, dass solche Magazine wie Bravo auf dich aufmerksam werden. Wenn sie reinen Journalismus betreiben, können wir damit leben. Man muß halt wissen, wie man mit den Medien umgeht. Genau, wie mit VIVA auch. Wir würden jetzt nicht eine Story "Oomph privat zu Hause" machen. ´Das ist mein Kuscheltier und ich bin unter der Dusche.´ Wir haben auch die Sendung "Vivasion" abgelehnt, weil wir meinen, wir sind eine Band, die an sich selber einen Anspruch hat und auch eine gewisse Autentizität vermitteln will. Und in so einer Sendung kann man sich halt nicht entsprechend präsentieren.

Hat die Möglichkeit, presenter in den Medien zu sein, Auswirkungen auf die Tour gehabt?

Flux: Auswirkungen auf die Tour hat es schon gehabt. Zum Andern haben wir unsere Tour diesmal bewußt in fast 80 % Städte gelegt, wo wir noch nie gespielt haben, z. B.: Münster, Bielefeld, Amsterdam, Wien oder Zürich. Wir haben jetzt mit Virgin auch finanziell die Möglichkeit, soweit ins Risiko zu gehen, auch Konzerte in Städten zu machen, wo wir nicht wissen, was uns erwartet, um eben dort Aufbauarbeit zu leisten, den Fans gegenüber present zu sein. Auch wenn da mal nur 150 Leute am Abend kommen.

Aber wie ist das im Ausland?

Flux: Deutschland ist auch das Hauptpotential für uns. Ausland wird immer dann interessant, wenn es eine ausländische Plattenfirma gibt, die es veröffentlicht. Für uns ist Ausland insofern kein Problem gewesen in der Vergangenheit. Wir haben sehr früh in Amerika gespielt und haben dort festgestellt, dass auch die Sprache dort keine Probleme bereitet. Da gab es Amerikaner, die versucht haben, die deutschen Texte mehr schlecht als recht mitzusingen. Und auch Schwarze, die zu unserer Musik getanzt haben. Oder ich habe vor einer Woche gehört, dass wir in Kolumbien veröffentlicht werden. Wir fliegen im Juni nach Kolumbien und spielen da ein paar Shows

 
Ihr habt Euch entschieden Profimusiker zu werden. Was habt Ihr a) davor gemacht und b) wie hat sich das auf Euer Leben ausgewirkt?

Flux: Es ist so, dass wir die Band "Oomph" vor sieben Jahre mit dem Anspruch gegründet haben und uns zusammengefunden haben, dass professionell zu betreiben, Musik als unseren Beruf zu machen und nicht eine Ausbildung anzufangen und dann doch nicht den Absprung zu schaffen oder ein Studium zu beginnen. Zwei von uns haben Abitur und haben auch Studien mal angefangen. Einer hat höheren Realschulabschluß gemacht. Da war immer nur Zeit für irgendwelche Nebenjobs. Die haben wir in Videotheken, Gaststätten oder Pizzaausfahren gemacht. Dadurch, dass wir ein eigenes Studium haben, war auch immer Bedarf an Geld vorhanden.

Ihr hattet mit Stev von "And One" zusammengearbeit. Welche Gründe hatte das?

Flux: Wir sind noch bei dem selben Managment. Über das Label haben wir uns natürlich kennengelernt. Wir haben uns gedacht: Wer kann einen Remix machen, wo die alten EBM-Routs mehr durchkommen?´ Da fiel uns eben Stev ein. Dazu kam, das es sehr kurzfristig sein mußte.

Dero macht jetzt Gesangsunterricht. Wie ist das?

Flux: Bei Dero ist das so, dass er halt gemerkt hat, dass er sehr schnell einen Verschleiß an seiner Stimme hat. Und du kriegst durch den Gesangsunterricht Atemtechniken beigebracht. Man kann seine Stimme kontrollierter einsetzen. Dazu kommt noch - das ist auch ein sehr großer Gewinn für die "Unrein" gewesen - ,dass er sein Gesangsspektrum erweitert hat, für uns auch erstmals von der musikalischen Seite melankolischere Töne geschaffen hat, die er vorher einfach nicht da waren.

Die Texte auf der "Unrein" kommen alle von Dero. Wieweit gehen die autobiographischen Einflüsse?

Flux: Es war schon immer so, dass er seine Texte als Selbstfindung und Selbsttherapie nutzt. Er geht halt davon aus, dass jeder Mensch sich einmal selber in seinem Leben genauer ergründen und finden sollte. Für ihn ist es so, dass er einfach darüber nachdeckt: Warum ist er der Mensch, der er heute ist vom Charakter her? Warum hat er heute diese Ängste, die er hat? Oder warum konnte er Gefühle nicht richtig zeigen oder hat Angst, jemanden zu lieben? Woher kommt das? Meistens wurzelt das in der Kindheit. In der Kindheit wird man eigentlich geprägt für sein späteres Leben, seinen Charakter und seine Vorurteile, die man hat. Und dabei werden natürlich einige Wespennester aufgestochert und es ist dann auch für ihn eine sehr schwere Zeit. Und für uns ist es dann schwer, mit ihm klarzukommen. Und das durchlebt er teilweise auch bei seinen Konzerten immer wieder neu. Auch gerade zu "Wunschkind" waren ganz krasse Fälle dabei, wo wir nach Konzerten von einem Mädchen weinend angesprochen wurden und gesagt haben: ´Ich wurde auch mißhandelt in meiner Kinheit. Ich hab´ 5 Jahre nicht mehr darüber nachgedacht. Dann habe ich die CD gehört und die Texte gelesen. Da ist alles wieder in mir hochgekommen.´ Sie hat sich aber trotzdem dafür bedankt, dass er den Text geschrieben hat. Da steht man erst einmal ziemlich fassungslos da und weiß eigentlich mit dieser Situation ... . Also ich bin mit dieser Situation nicht klargekommen, dass dieses Mädchen so offen zu uns war und sie der Text so berührt hat oder auch getroffen hat.

"Wunschkind" war eine Sache, hattest Du schon angesprochen, die in diese Richtung ging. Ich hatte dann das Gefühl, dass "Unrein" der Schritt weiter zurück war. Praktisch ganz zum Anfang?

Flux: Ja gut. Zum Anfang oder nicht. Das vermag ich garnicht, zu beurteilen, weil es doch Hand in Hand ging. "Unrein" resultiert auch daraus, dass er katholisch erzogen wurde und auf eine katholische Schule gegangen ist. Wir oder er richtet sich in den Texten auch nicht gegen Glauben als solchen oder gegen die Religion als solche, auch nicht gegen den christlichen Glauben als solchen. Sowohl verurteiln wir die hirarchischen Strukturen in der christlichen, hellen Seite, als auch in der satanistischen, dunklen Seite. Das ist von der Struktur nichts anderes, dass da ein Führer ist und die Schäfchen folgen blind.

Das ist auch ein Problem der dunklen Szene?

Flux: Genau. Sie verurteilen das Christentum und kokettieren mit dem Satanismus, der aber ohne die christliche Religion nicht denkbar wäre. Das ist irgendwo das Chizophrene, das es auch bei einigen Musikern gibt.

Was ist von "Oomph" ab Herbst zu erwarten?

Flux: Es sind zwei Sachen geplant. Das wir im Herbst nochmals eine Tour machen. Könnte sein, dass wir das als Support mit einer größeren Band machen. Oder wir eine Band aus einem anderen Land mitnehmen und dann package Umkehrtour in dem jeweiligen Land machen. Das ist für Herbst im Gespräch. Wenn das nicht stattfindet, weil es aus irgendwelchen Gründen nicht klappt, werden wir anfangen, an der neuen CD zu arbeiten. Ansonsten halt erst ein bißchen später.

Gibt es bestimmte Festivaltermine, auf die Ihr Euch schon freut?

Flux: "Dynamo" ist natürlich für uns ein Höhepunkt in unserer Karriere. Eine meiner Lieblingsbands, "Beaste Boys", spielen auf dem "Hurricane-Festival". "Björk" mag ich auch sehr gern. Dann Blindman´s Ball, Faith No More waren mit gebucht. Die gibt es leider nicht mehr. Aber dann müssen wir halt mit Aerosmith Vorlieb nehmen und Simple Minds. Jetzt allein mit Joachim Witt. Er rief bei uns an: ´Hier ist der Joachim Witt. Ich will mit Euch touren. Ich find Eure CD so geil.´ Ich: ´Ja klar.´ Er steht halt total auf uns, hat er uns gesagt. Und er wollte unbedingt bei uns die Tour mitmachen. Obwohl wir schon andere Bands gebucht hatten, haben wir gesagt: ´Ok, dann spielst Du auch noch. Machen wir halt Special-Guest draus.

Bei seiner "Bayreuth-Eins" merkt man ein wenig Einflüsse. Könnt Ihr Euch eine spätere Zusammenarbeit vorstellen?

Flux: Er hat uns in Kassel gefragt, ob wir die nächste Single für ihn remixen wollen. Das wird dieses "Lauf, lauf, lauf ... " sein. Ich denke mal, wir werden das machen, weil es einfach auch für uns eine schöne Sache ist, mit einem ehemaligen "Idol" mitarbeiten zu können. Aber was die Beeinflussung angeht. Ob wir ihn so viel beeinflußt haben.? Er hat ja auch schon früher harte, deutschsprachige, inovative Musik gemacht, mit Guitarre und anspruchsvollen Texten. Ich denke es ist eher so, dass wir gleiche Art von Musik mögen, dass er zwangsweise, weil er den gleichen Musikgeschmack hat wie wir, auch Musik in irgendeiner Richtung macht, wie wir sie machen. Das ist eher so, dass wir auf einer Wellenlänge sind und weder das eine oder andere voneinander abguckt. "Neue Deutsche Härte" wird ja gesagt. Wobei "Neu" trifft für uns, die wir seit sieben Jahr das machen, nicht ganz so zu. Deswegen kann ich mich da nicht so eingliedern.

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