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Interview mit Oomph! - ICON-TV

hristian L.: Wir sind jetzt hier bei Oomph!
Dero: Zuhause!
Christian L.: Genau! Zu Hause in Köln! Ich meine ihr kommt ja gar nicht aus Köln! Woher kommt ihr denn?
Dero: Braunschweig.
Christian L.: Euch gibt's jetzt wie lang?
Dero: 10 Jahre.
Christian L.: Doch so lang! Und ihr habt auch zu dritt angefangen?
Dero: Die Band als kompositorisches Element wird gebildet aus uns dreien. Nur auf der Bühne werden wir dann komplettiert durch die anderen Beiden, den Bassisten und den Schlagzeuger.
Christian L.: Ihr drei seid also die Songschreiber und nur auf der Bühne seid ihr dann zu fünft, achso!
Dero: Genau!
Christian L.: Auf dem letzten Album ward ihr ja doch etwas sanfter, hatte das irgendwelche Gründe, wie Vorgaben der Plattenfirma oder wollte ihr einfach nur mal etwas ruhiger sein?
Dero: Das hatte überhaupt keine Plattenfirma-Gründe, das erste Album, was wir bei Virgin veröffentlicht haben,"Unrein", dem kann man ja überhaupt nicht vorwerfen, das es mit irgendeinem Marketing- oder Promotionkalkül gemacht wurde. Ich denke der größte Grund, warum es so ausgefallen ist, wie es geworden ist, ist daß ich 3,5 Jahre vor diesem Album klassischen Gesangsunterricht genommen habe und ich einfach gemerkt habe, daß mir die Melodie auch Spaß macht und es war einfach an der Zeit das auch mal auf CD zu bannen. Meine Experimentierfreudigkeit hat dann auch musikalisch wieder andere Türen geöffnet. Deswegen ist es so ausgefallen.
Christian L.: Ja ich meine ich finde es auch nicht schlecht, es war jetzt nur...
Dero: Ungewohnt!
Christian L.: Ja, genau!
Flux: Wir haben uns eigentlich schon immer von Album zu Album stetig entwickelt in irgendeine Richtung, weil wir es selber langweilig finden, das gleiche Album nochmal zu machen. Von daher wird es bei Oomph auch immer wieder eine Veränderung geben, denn das ist es auch, was die Sache für uns interessant macht. Wir haben eigentlich immer das gemacht, wozu wir, der Stimmung nach, gerade waren und da ist eben dieses Album bei raus gekommen. Mal sehen, wie das nächste wird.
Christian L.: Apropros nächstes Album... Ihr geht jetzt ja auf Tour und euer letztes Album ist auch schon einiges her... werden wir jetzt neue Stücke hören?
Dero: Also wir sind gerade halb in der Produktion unseres neuen Albums, da kam diese Tour nochmal dazwischen sozusagen, aber für uns ist das auch ganz nett. So können wir wieder etwas Abstand zu dem, was wir bisher produziert und geschrieben haben, bekommen. Wenn wir dann nach der Tour wieder zu Hause sind geht es an die zweite Hälfte des Albums. Auf diesem zweiten Teil zur Plastik-Tour haben wir bewust noch keine neuen Stücke gespielt, da uns die Erfahrung lehrt, daß Songs die ganz neu sind und das Puplikum noch gar nicht kennt immer etwas verhaltener aufgenommen werden. Als wir die erste Hälfte der Tour gestartet haben, da war das Album gerade brandneu und da hat man schon gemerkt, daß die neuen Stücke erst wenn das Stück fertig war, mit Applaus quittiert wurden. Bei dem Song selber war die Stimmung noch etwas verhaltener und jetzt ist das Album schon etwas gesackt und die Zuhörer können bei den jetzt schon etwas älteren "neuen" Stücken richtig abgehen.
Chrestian L.: Bei dem letzten Konzert, wo ich war, vor einem Jahr in Bochum, wurden auch viele alte Stücke gespielt und eigentlich kam es um einiges brachialer rüber, als jetzt auf dem Album und stimmungsmäßig ging es ja recht gut ab, was ich ziemlich enorm finde, da ich euch auch auf dem With-Full-Force gesehen habe und mit ins Publikum-springen...das ist etwas ganz anderes als wenn man euch auf Platte hört.
Flux: Das ist auch ganz klar! Wenn wir live spielen, dann wollen wir auch Spaß haben und wollen, daß es richtig rockt. Es ist einfach die Natur der Sache, daß es live mehr abgeht, als auf CD und auf der CD geht es ja auch viel mehr um Stimmungen, die dort wiedergegeben werden sollen. Live wollen die meisten Leute nun mal Party haben und wir auch, zumindest, wenn sie zu uns kommen und nicht die ganze Zeit mit dem erhobenen Feuerzeug dastehen und mitschunkeln wollen. Daher ist die Auswahl der Live-Stücke auch eher so, daß der Mop tanzen kann.
Christian L.: Das ist auch prima, aber das hat man bei anderen Bands nicht so! Ihr seit jetzt ja auch schon etwas bekannter, durch das letzte Album...gerade durch das Duett mit Nina Hagen...was sehr klasse ist... Ist es dann nicht schwierig, nicht so einen Distanz zwischen euch und Publikum aufzubauen, gerade wenn so viele Leute auf einen zukommen, wird das auf Dauer nicht ein bißchen viel?
Flux: Nö, eigentlich nicht! So eine Tour ist ja auch eigentlich schön und wir lieben es auch mit den Fans zu reden und ein Feedback zu bekommen. Verkaufszahlen hin oder her, es ist zwar schön zu sehen, wie oft deine Platte verkauft wurde, aber es gibt dir halt nichts. Das, was dir wirklich etwas bringt ist halt auf Konzerten zu merken, die Leute freuen sich über die Stücke, die kennen alle Texte, die singen mit, die gehen ab und das ist es halt was dich als Musiker am meisten erfreut und deshalb sind wir auch immer gerne auf Tour. Uns ist es auch sehr wichtig unseren Kontakt zu unseren Fans zu pflegen, zum Beispiel auf Tour oder unserer Homepage (http://www.oomph.de).
Crap: Es ist dabei auch kein Unterschied, ob vor dir nun fünf hundert oder fünf tausend Menschen stehen. Du machst halt deine Show und die wollen Spaß haben. Du bist vielleicht ein bißchen nervöser vorher, aber das war es dann auch.
Christian L.: So etwas finde ich auch echt cool, da andere Bands, die etwas berühmter geworden sind, ist jetzt ein schlechtes Beispiel, aber Biohazard hat noch auf der "Urban Disciplin"-Tour alle zum Stagediven eingeladen und dort ist jetzt schon einen gewisse Distanziertheit zu spüren. Von daher habt ihr meine Anerkennung...
Dero: Das ist auch eine Gefahr, der sich einige Band wahrscheinlich auch bewußt aussetzen, weil sie irgendwann auch diese Distanz und die Abgehobenheit auf der Bühne wollen. Vielleicht fühlen sie sich dann irgendwann, wenn sie die Verkaufszahlen sehen auch anders als vorher und versuchen dies dann auch visuell zu dokumentieren. Ich halte das für grundfalsch, irgendwann verlierst du dann nämlich wirklich den Kontakt zur Basis und hast auch deine härtesten Fans verloren.
Christian L.: Jetzt noch mal etwas ziemlich Blödes: Ihr werden ja auch schon mal in die Schublade der "Neuen, deutschen Härte" mit dem rechten Touch geschoben. Halt ich persönlich nicht viel von, aber diese Frage stellt euch wahrscheinlich jeder: Hattet ihr da schon mal irgendwelche Probleme mit linksgerichteten Gruppierungen, die gesagt haben, geht mal lieber nicht zu Oomph, weil die sind ja...?
Dero: Nö, das hatten wir überhaupt noch nicht! Jetzt mal an diesem Phänomen fest gemacht. Wir sind weder "Neu", uns gibt es schon seit zehn Jahren. Wir sind weder "deutsch", rein von unseren Vorfahren sind wir buntgemischte Bastarde. Wir singen auch nicht nur deutsch, sondern auch englisch. "Hart"! Wir sind auch nicht nur hart, wir haben auch unsere soften, weichen Passagen. Die drei Prädikate passen überhaupt nicht bei Oomph! Wir hatten auch Gott-sei-Dank, im Vergleich zu anderen Bands in dieser Schublade, obwohl ich sie dort gar nicht reinzähle, noch nie solche Vorwürfe. Da sind wir auch ziemlich stolz drauf, daß wir eben nicht diese plumpen Klischees eingesetzt haben.
Flux: Ich denke mal auch, daß die meisten anderen uns gar nicht zur "Neuen, deutschen Härte" zählen, auch nicht die Bands der "Neuen, deutschen Härte". Es ist eher so, daß die uns als Inspirationsquelle angeben. Da können wir aber nichts für und uns gab es eben schon wesentlich früher, als diese Richtung aufkam. Von daher passt es halt nicht.
Christian L.: Ich denke das Problem ist, daß die "Neue, deutsche Härte" durch Rammstein geprägt wurde und man auf euch auch erst richtig nach Rammstein aufmerksam wurde. Das fand ich auch schon recht phänomenal.
Flux: Das hat aber weniger etwas mit Rammstein zu tun, als daß wir erst mit der Platte "Unrein" ein Major-Platten-Label im Rücken hatten und man erst dadurch einige Medien erreichen konnte, die uns vorher garnicht offen standen. Daß Rammstein inzwischen auch ihren Erfolg hatten, hat das wahrscheinlich auch begünstigt, aber ich denke, daß die Verbreitungsmöglichkeit für unsere Musik vorher gar nicht gegeben war, weil wir halt bei einem kleinen Indie-Label waren und dort vier Alben gemacht haben.
Christian L.: Wobei ich sagen muß, daß das "Wunschkind" Album schon ziemlich gut produziert klang.
Flux: Die Produktion haben wir ja schon immer selber gemacht und da hat sich bis heute nichts geändert.Die neuen Sachen werden auch weiterhin von uns selber in unserem eigenen Studio produziert, aufgenommen und fertig gemacht. Da hat sich eigentlich nichts geändert. Das hat auch nichts mit dem Wechsel zu einem größeren Label zu tun. Nur ist jetzt natürlich das Marketing besser, so daß wir eine bessere Verbreitungsmöglichkeit für unsere Musik haben.
Christian L.: Ist es denn mitlerweile soweit, daß ihr von eurer Musik leben könnt?
Dero: Ja!
Christian L.: Und seit wann ist das so?
Dero: Seit vier-fünf Jahren ungefähr.
Flux: Das ist auch zeitlich kaum mehr anders möglich. Mit steigendem Erfolg hast du auch kaum mehr Zeit für andere Dinge.
Dero: Weil wir uns ja auch selber produzieren, sind wir auch so eingebunden, daß wir eigentlich das ganze Jahr, unterbrochen von Touren, am Album arbeiten. Was auch ein großer Vorteil ist, da du dein Produkt auch immer wieder schleifen kannst, solange schleifen, bis dir sogar die Kanten, die darin sind, gefallen. Das ist vielleicht auch der große Vorteil von Oomph zu anderen Bands, die nur für kurze Zeit im Studio stehen und wo es dann heißt: So jetzt muß es aber! Hätten es aber vielleicht doch lieber ein bißchen anders gemacht, wenn sie mehr Zeit gehabt hätten.
Christian L.: Die Farmer-Boys werden zur Zeit ja ziemlich gehypt! Hier sind lauter Kameras aufgebaut und eine Menge Presse...filmt bei euch keiner?
Flux: Nee, die Farmer-Boys sind ja im Augenblick in ihrer aktuellen Release- und Promotion-Phase. Die haben wir ja schon hinter uns, da wir das Album schon letztes Jahr im November veröffentlicht haben. Das ist jetzt ja nur VIVA, die etwas für Overdrive aufnehmen, was völlig normal ist, wenn man gerade eine Platte rausbringt. Das hatten wir ja letztes Jahr auch alles und jetzt sagt sich VIVA halt, wir haben Bands, die gerade aktuell Platten raus haben, warum sollen wir euch jetzt noch mit aufnehmen? Und unsere Plattenfirma denkt sich auch, wenn wir jetzt VIVA belatschern, kommt nehmt die doch nochmal auf, dann kommen wir in einem halben Jahr mit einer neuen Platte und dann geht es wieder los! Da setzt man halt Prioritäten und sagt für uns ist das nächste Jahr wichtig und da hängen wir uns wieder voll rein und jetzt ist halt die Tour, wo wir mit den Fans nochmal richtig abfeiern können.
Dero: Da kommt auch noch hinzu, daß die heute auch noch Aufnahmen für ihr neues Video drehen.
Christian L.: Cool, auch noch ein paar Infos zu den Farmer-Boys! Dann heißt das, wenn die Kameras abgebaut sind, geht die Party los?
Dero: Hoffe ich!
Flux: Deswegen sind wir hier!
Crap: Mal gucken, wie die Kölner heute drauf sind.
Christian L.: Also ich bin gut drauf!
Dero: Das ist doch schon mal was.
Christian L.: Wollt ihr noch irgendwas loswerden?
Dero: Ja, Grüße an alle User dieser Page! Macht weiter so!
Flux: Und alle Vegetarier!
Christian L.: ICON-TV! Full-Range! Vielen Dank für das Interview!

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