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1991 erblickte ihr selbstbetiteltes, noch rein elektronisches Debüt auf dem Berliner Machinery-Label das Licht der Welt. Es war noch deutlich geprägt von Acts wie D.A.F. oder Front 242. Ab dem zweiten Album "Sperm" begannen Oomph!, ihre knallharten elektronischen Grooves mit heftigen Metalgitarren zu garnieren. In Kombination mit provokanten, zumeist in Deutsch gehaltenen Vocals nahmen sie den Sound vorweg, mit dem Jahre später eine Band namens Rammstein der ganz großen Wurf gelingen sollte. Dementsprechend umschmeichelt die Presse Oomph! als Pioniere des Electro-Metal, und mit ihrem fünften Album "Unrein" (beim Major Virgin) ernten sie auch endlich kommerziell die langverdienten Lorbeeren.
Das Konzert im Münsteraner Odeon nahm ich zum Anlaß, Gitarrist Flux zum Interview zu bitten. Heraus kam ein sehr langes und äußerst interessantes Gespräch, das hier leider nur auszugsweise wiedergegeben werden kann.
Zunächst wollte ich wissen, ob in Flux´ Augen Oomph! eine Relevanz für ein Magazin wie die Elektrik besitzen: "Von diesem Kategorien- und Scheuklappen-Denken halten wir sowieso nichts. Wir wollen unser Spektrum möglichst breit halten. Und die Leute hören ja heutzutage auch nicht mehr nur eine Stilrichtung. Egal wo du bist, ob im Supermarkt, in einem Club, im Auto usw., immer hast du verschiedene Musik um dich. Diese ganzen Einflüsse nehmen wir dann auch auf. Und jemand der hauptsächlich auf harten Underground-Techno oder Hip Hop steht, könnte auch an Oomph! Spaß haben." Fürwahr, vor allem weil Oomph! sich aus ihren elektronischen Anfangstagen ein Faible für höllische Grooves bewahrt haben. "Angefangen haben wir in den Achtzigern eigentlich als Gitarrenband, die AC/DC covert. Dann haben wir Electro-Bands entdeckt wie D.A.F. oder Nitzer Ebb, die auch ganz ohne Gitarren eine enorme Power rüberbrachten. Wir empfanden den Klang der Gitarre dann zu limitiert und gaben unser Equipment verkauft, um uns unsere ersten Sampler und Synthies zuzulegen. Wir waren sehr fasziniert von der rhythmischen Exaktheit dieser Geräte. Genau in diese Phase fiel auch eher durch Zufall unser Debüt. Ab der zweiten Scheibe versuchten wir dann, das alte und das neue Element miteinander zu verbinden." Wobei die Betonung doch heute wieder eher auf der Gitarre liegt, oder? "Im Studio arbeiten wir schon sehr elektronisch. Außer Gitarre und Bass wird alles programmiert. Wir hatten bei der letzten Platte etwa 60 Spuren laufen, davon lediglich acht für Gitarre. Die restlichen Spuren waren für Samples, Synthielinien, das programmierte Schlagzeug und so weiter. Daß einige Leute hauptsächlich die Gitarren wahrnehmen, liegt vielleicht daran, daß die Elektronik die Gitarrenarbeit unterstützt. Die Gitarren hört man vielleicht oft im Vordergrund, aber dahinter stehen sehr viele Elektronikspuren, in denen die paar Gitarren eingebettet sind. Und die Gitarren setzen wir ein wie Sequenzer. Also keine frickeligen Soli, das interessiert uns nicht, sondern wir lassen auch mal ein Riff minutenlang durchlaufen." Mit dieser Arbeitsweise sind Oomph! der Prototyp der elektronischen Rockband. Doch welches Verhältnis haben unsere drei virtuellen Metaller zu den Electronic-Acts der heutigen Zeit? "Es gibt da einige, die ich sehr respektiere, weil es handwerklich und musikalisch korrekt gemacht ist. Leider gibt es in der Dance-Szene einige Beispiele, wo ein DJ meint, er könnte sich einfach einen Synthesizer schnappen, den Arpeggiator anstellen, ein paar Samples dazu, mal ´ne Spur aus oder an und dann hat er eine ganz tolle Sache gemacht. Da merkt man dann doch, gerade im Technobereich, daß da keine Musiker hinterstecken. Ich will da aber niemanden einschränken. Ich finde es gut, daß durch die Verfügbarkeit elektronischer Musikgeräte viele Leute Musik machen können, die sonst nie dazu gekommen wären. Dadurch gibt es viel mehr gute Sachen, aber eben leider auch viel mehr Scheiße. Und das macht für den Konsumenten eine Auswahl sehr schwierig." Erfreulicherweise entscheiden sich immer mehr Konsumenten für Oomph!, weshalb die Jungs mittlerweile von ihrer Musik leben können. Veröffentlichungen im Ausland stehen ebenfalls an, neben den USA auch Länder wie Kolumbien (Flux: "Hoffentlich bezahlen die nicht nur mit diesem komischen weißen Pulver...."). Im weiteren Verlauf unterhielten wir uns noch über viele Dinge, wie z.B. das Verhältnis der Band zur Institutionen wie der Kirche, Kindesmißhandlung (Thema des vorletzten Albums "Wunschkind") und vieles mehr. Leider fehlt dazu hier der Platz, doch wer mehr über Oomph! erfahren will, sollte sich ihre Texte mal vorknöpfen. Die sind nämlich nicht von schlechten Eltern und keineswegs nach der Masche "ich bin böse" oder "ein Mensch brennt" gestrickt.
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